Cooler Konfigurator und Hopfenwatschn

Einzigartige Aktion mit vielen Bierideen zum Jubiläum 650 Jahre Karmelitenbrauerei

„Die vier sind genial – passend zu ihren Bieren“, freut sich Christoph Kämpf, Geschäftsführer der Karmelitenbrauerei, beim Aufeinandertreffen der vier Gewinner der Aktion „Mach dein Bier, wir brauen’s dir“ zum Jubiläum 650 Jahre Karmelitenbrauerei, das nächstes Jahr gefeiert wird. Unglaubliche 450 Bierrezepte wurden auf der Homepage der Brauerei eingereicht. Aus den 20 besten Vorschlägen wählte eine bierversierte Fachjury vier Bierideen aus, die nun umgesetzt werden (wir berichteten). Blind wurde ausgewählt. Unter den Gewinnern sind zwei Bierprofis und zwei mit wenig Brauwissen, dafür mit viel Liebe zum Bier. Alle sind junge Reinheitsgebot-Liebhaber, auch diese zwei Aspekte gefallen Kämpf. Die jungen Leute sind vielleicht etwas experimentierfreudiger, mutmaßt er. Wir stellen bierernst und bierselig die vier Ideengeber von „Deeper Danube“, „Lorenz“, „Bavarian Barbarians“ und eines noch namenlosen Kölsch vor.

Christoph Kämpf, Geschäftsführer der Karmelitenbrauerei, freut sich auf das Kölsch von Eishockeyfan Lukas Niedermayer (rechts).

„Ich hab mir überlegt, was ich als gängiges Alltagsbier bei mir daheim im Kühlschrank haben will“, erklärt Harald Buchmeier. Der 28-jährige Regensburger ist Fan von IPA-Bieren. Die Abkürzung steht für India Pale Ale (IPA). „Das ist eine alte englische Brauart, die stärker eingehopft ist, damit das Bier den langen Seeweg nach Indien überlebt“, erklärt der Bierliebhaber, der schon viele Sorten ausprobiert hat. Buchmeier betont: „IPA schmeckt am besten! Es schmeckt sehr sehr bitter, man bekommt eine richtige Hopfenwatschn ab. So ähnlich, wie wenn man mit offenem Fenster durch die Hallertau fährt.“ Der Messe- und Veranstaltungsfachmann ist im Internet, „beim wilden Durchklicken“ von Bierseiten, auf die Aktion der Karmelitenbrauerei gestoßen und hat gleich sein „Deeper Danube“-Rezept eingestellt. Der Name verbindet das Englische des Bieres mit der Region, der Name „tiefe Donau“ soll erklären, dass es ein regionales, schweres Bier ist. Der Alkoholgehalt dürfte zwischen acht und neun Prozent betragen. Aber man darf es nicht mit einem süßlichen Starkbier verwechseln, erklärt der IPA-Fan. So ein Bier schmeckt nämlich süffig bitter.

Haben Ahnung vom Bierbrauen: Phoebe Struve und Konstantin Lettner.

Braumeister Thomas Eichenseher (links) fachsimpelt mit Harald Buchmeier, der seinen Kühlschrank mit IPA-Bier füllen will.

„Lorenz“ nach den Gründern der Brauerei

„Lorenz“ nennt Konstantin Lettner sein Bier. Aus zwei Gründen: Aus dem Verkauf der Brauerei der Gebrüder Lorenz entstand einst die Karmelitenbrauerei und sein Patenkind heißt auch Lorenz. Mit seinem flüssigen „Lorenz“ will Lettner „den dunklen Biertyp wieder den Leuten näherbringen“. Er ist Masterstudent für Brauwesen und Getränketechnologie, er hat also eine ziemlich genaue Ahnung, wie sein Bier werden soll. „Bitter“ bezeichnet den Biertyp, es muss nicht bitter schmecken, erklärt er. Das „Lorenz“ kommt einem Ale vom Geschmack her sehr nahe, es soll einen malzig-würzigen Charakter bekommen, dafür werden wenig Hopfen und mehr Röstaromen eingebraut. Die Idee des Wettbewerbs und das Gespräch mit Braumeister Thomas Eichenseher findet der 24-jährige Straubinger super. Man hat über viele Detailfragen gefachsimpelt.

„Bavarian Barbarians“, wird das Bier der einzigen Frau unter den Gewinnern heißen. Es war eines der Favoriten von Braumeister Thomas Eichenseher. Ideengeberin Phoebe Struve aus Salching hat Brauerin gelernt. Die 21-Jährige tritt also mit viel Bierwissen an. „Die Idee ist spitze, das hat noch keine Brauerei gemacht. Das ist einzigartig, da wollte ich dabei sein“, betont Phoebe Struve. Sie hat bei einer kleinen Craft-Bier-Brauerei in Oberbayern gelernt und hat daher auch solch ein Rezept eingereicht. „Ich komme aus der Szene und das ist halt mein Bierstil“, erklärt sie. Das Amper-Ale ist eher herb, hopfenbetont und sehr stark, daher schmecke man später sicher das Malz im „Bavarian Barbarians“. Der englisch-bayerische Name ergibt sich zum einen daraus, weil es ein angesagtes Craft-Bier ist, aber anders als gewöhnlich soll hier kein Hopfen aus den USA oder Neuseeland verbraut werden, sondern bayerischer. Die Liebe der jungen Frau zum Bier erklärt sich daraus, dass die gebürtige Rosenheimerin gern das dortige Volksfest und die Wiesn in München besucht hat, „ich bin ein Wiesnkind, das zu dieser Zeit auch immer Geburtstag feiert, daher auch die Liebe zur Heimat und der bayerischen Kultur, zu der Bier gehört“, erklärt sie lächelnd.

Keine Ahnung vom Kinderkriegen

„Du weißt, was du tust, also das glaub ich jetzt mal“, attestiert Preisträger Lukas Niedermayer dem Braumeister Thomas Eichenseher grinsend. Er hat ein Kölsch in Auftrag gegeben. „Ich hab vom Bierbrauen so viel Ahnung wie vom Kinderkriegen und ich hab nämlich noch keins“, erklärt der 26-Jährige freimütig. Er hat von allen Gewinnern am wenigsten Ahnung vom Bierbrauen, aber er „trinkt des Öfteren Karmelitenbier“. Mitgemacht hat der Prüfingenieur, weil er von dem Bier-Konfigurator so begeistert war. „Die Idee mit dem Konfigurator fand ich gut. Ich spiel gern mit Konfiguratoren“, erklärt er spitzbübisch. „Weißbier gibt es viele in Bayern, da hab ich einfach frei Schnauze den Konfigurator ausprobiert, und das ist dann dabei herausgekommen.“ Gemeint ist ein Kölsch, das kennt Niedermayer vom Sport her. „Ich bin Eishockeyfan, und da kommt man viel rum, auch mit dem Sonderzug nach Köln.“ Die E-Mail mit der Benachrichtigung, dass sein Vorschlag gewonnen hat und gebraut wird, hat ihn beim Wohnungsumbau mit der Freundin überrascht. Da man sich gerade in Straubing beim Raumausstatter Keyser einen neuen Boden aussuchte, schaute man auch gleich spontan bei der Karmelitenbrauerei vorbei. Und attestierte schon da: „Konfiguratoren sind cool!“ Für das Kölsch, das sicher nicht nach der geschützten Bezeichnung genannt werden darf, gibt es noch keinen Namen. Und auch der Ort der Präsentation der vier Gewinnerbiere am 30. März steht noch nicht fest. Niedermayer wünscht sich ein großes Zelt, „weil ich viele Freunde hab, die alle Biere probieren wollen“.

Ab März wird ausgeschenkt

Von jedem der vier Gewinnerbiere wird „a gscheide Menge“ gebraut, erklärt Geschäftsführer Christoph Kämpf. Sprich je 80 Hektoliter, also 8 000 Maß Bier. Gebraut wird ab Januar, verkauft ab März. Und zwar in einem Vierertragerl, bestückt mit je einer Flasche der ausgewählten Biere. Einreichungen kamen aus der Region, ganz Bayern, Deutschland und vereinzelt darüber hinaus. Erhältlich wird das „Fourpack“ der Gewinnerbiere in allen Wirtschaften und Getränkemärkten sein, die von der Karmelitenbrauerei beliefert werden und dies wünschen. Die vier Gewinner dürfen sich auf ihr Konterfei auf „ihrem Etikett“ (siehe Beispiele) freuen, außerdem auf einen Volksfestbesuch mit der Brauerei. Alle Biergenießer dürfen aus den vier Bieren das Beste küren. Dafür gibt es dann für den siegreichen Rezepteinreicher eine Jahresbierrente, also einen Kasten pro Woche. Prost!